Bankiers als Mäzene: Die Bremer Familie Wolde zwischen Geld, Kunst und Literatur vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Obwohl Bremen im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts kein zentraler Bankplatz des Deutschen Reiches war, gelang es der ein oder anderen Privatbank über die Grenzen der Stadt hinaus Bedeutung zu erlangen. Dazu gehörte vor allem das seit 1794 bestehende Bankhaus J. Schultze & Wolde, das 1904 an die Diskonto-Gesellschaft verkauft wurde und 1929 mit der Deutschen Bank fusionierte.

Die Bedeutung dieses Bankhauses hat bis heute Spuren im Stadtbild hinterlassen. Dessen letzte Eigentümer, die Brüder Johann Georg und Heinrich August Wolde hatten sich repräsentative Häuser bauen lassen: Johann Georgs Stadthaus an der noblen Wohnadresse Contrescarpe dient heute dem Bremer Innensenator als Dienstsitz, Heinrich Augusts Domizil, die Villa Wolde am Osterdeich 60 bzw. 64, wurde inzwischen behutsam renoviert und restauriert. Ihr Aussehen nähert sich heute innen wie außen dem ursprünglichen Zustand der 1920er Jahre an.

Seit den 1870er Jahren spielten die Brüder Wolde im Geschäftsleben der Stadt, aber auch zum Teil weit darüber hinaus, eine wichtige Rolle. Sie finanzierten die Brauerei Beck’s & Co., die Delmenhorster Linoleumfabrik und waren jahrzehntelang an der Salzufler Firma Hoffmann’s Stärkefabriken beteiligt. Weitsichtig und gut für das Gemeinwesen hatte schon in den 1830er und 1840er Jahren ein Familienmitglied die Initiative für den Anschluss Bremens an das deutsche Eisenbahnnetz ergriffen.

Nicht nur im Geschäfts-, sondern auch im Kultur- und Sozialleben der Stadt spielten die Woldes eine wichtige Rolle.  Zahlreiche Familienmitglieder gehörten bereits seit langem dem Bremer Kunstverein an. Seit den 1890er Jahren traten die Brüder Georg und Heinrich immer stärker als Kunstsammler und Mäzene hervor. Sie förderten die Malerei, aber auch das Musikleben der Stadt. In ihrem Haus verkehrten Schriftsteller und Maler wie Hugo von Hofmannsthal und Leo von König. Johann Georg Wolde selbst galt als ausgezeichneter Cellist. Eine der Töchter von Heinrich August heiratete den langjährigen Generalmusikdirektor der Stadt Ernst Wendel. In den unruhigen Zeiten während und nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Familie den größten Teil ihres Vermögens.

Dittmar Dahlmann

Geb. 1949 in Düsseldorf, dort Studium der Geschichte und Philosophie; 1983 Promotion im Fach Osteuropäische Geschichte; 1980-1988 Mitarbeiter an der Max Weber-Gesamtausgabe; 1988-1990 Habilitationsstipendium der DFG, 1990-1996 Leiter der Forschungsstelle für Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; 1994 Habilitation in Freiburg; 1995/96 Vertretung der Professur für Osteuropäische Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität; 1996-2015 Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Bonn.

Neueste Publikationen als Alleinautor:

Ludwig Knoop 1821-1894. Ein russischer Textilbaron aus Bremen, Bremen 2021, 2. Aufl., Bremen 2024

Die Woldes. Geld – Kunst – Literatur. Geschichte einer Bremer Familie vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, Bremen 2025

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